„Feiert das, was ihr habt. Ihr habt ein Leben.“

„Ich setze mich mit Stift, Zettel und Aquarellkasten hin und bin gespannt“, sagt Karin Clauss, besser bekannt als karindrawings. Zumindest kennen die meisten Leute, die ich kenne, ihre fantastischen Karten-Sets und Postkarten. Es gibt vermutlich noch ein paar Menschen, die sie noch nicht kennen. Daher freue ich mich sehr, dass sie jetzt auf schreibselig verrät, wie sie ihr Leben chillt und ganz nebenbei andere inspiriert, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen.

Sich hinsetzen, einfach drauflos schreiben und zeichnen, so leicht soll das gehen? Kaum zu glauben. Dabei weiß ich es selbst, dass es genauso gehen kann. Wie für Karin ist für mich dieser kreative Prozess eine Art Meditation. Zumindest, wenn ich für mich schreibe – also nicht ‚professionell‘ – sondern rein intuitiv. Das muss nicht gleich tief spirituell sein. Es ist einfach schön, sich selbst und das Leben mit Stift und Papier zu feiern!

Chill-mal-Dein-Leben!

„Und dann stehen da plötzlich so wunderbare Sätze auf dem Papier, von denen ich niemals geahnt hätte, dass sie in mir sind“, sagte kürzlich eine Kursteilnehmerin. Wir hatten mit Karten aus dem zauberhaften Kartenset „Chill-mal-Dein-Leben hoch 2“ von Karin geschrieben. Sie kommen seit Jahren immer mal wieder auf den Tisch, damit wir unser Inneres mal durchmischen, einen neuen Blick auf die Dinge gewinnen oder um uns einfach gemeinsam freuen zu können. Dass Karins Texte so ungeniert fehlerfroh sind, entspannt ungemein. Denn Orthographie ist nicht unser Thema.

Interview mit Karin Clauss

Woher der Zauber der Karten kommt, lässt sich nicht so einfach in Worte fassen. Sie haben es einfach in sich, sagte letztlich eine andere Teilnehmerin: „Irgendwas passiert immer, wenn wir dazu schreiben.“
Ja, es sind nicht nur die kleinen feinen Details, die uns zum Schmunzeln und herzhaften Lachen bringen oder leise Freude auslösen. Die außergewöhnliche Karin-Wort-Bild-Sprache zeigt uns vor allem: Im kreativen Leben gibt es kein richtig und falsch. Texte und Bilder sind freigeistig, leicht, locker und haben gleichzeitig eine Botschaft. „Soll das so sein?“, will ich von ihr wissen.

Liebe Karin, möchtest du die Menschen dazu animieren, über das eigene Leben nachzudenken? So ganz gechillt?

Karin Clauss: Es ist eine Art Meditation für mich. Ich setze mich mit Stift und Zettel und Aquarellkasten hin und bin gespannt. Ich schreibe auf, was in mir an Zweifeln und Fragen kommt. Und ich höre tatsächlich auch sehr gut hin, was in meinem Alltag um mich herum gesprochen wird. Dann füge ich alles zusammen, wie ein Mosaik, das ich zusammen bastle, aus Wörtern, Erlebtem, Gesehenem und formuliere eine Essenz dessen, was mich gerade eben beschäftigt und berührt. Das Ganze ist eine Ordnungsveranstaltung für mich.
Ich sortiere, verwerfe, und finde im Idealfall einen Satz, ein Bild, das mich beruhigt und beseelt und manchmal auch zum Lachen bringt.
Es ist nicht meinen Absicht, Menschen zu animieren, über das Leben nachzudenken. Ich glaube, es ist wirklich ein komplett egoistischer Prozess, den ich da betreibe: Ich schenke mir diese Zeit, und ich bin unendlich dankbar, dass diese Form der Selbsttherapie mit so vielen Leuten in Resonanz geht. Und, wie meine Schwester mal so schön formuliert hat, als ich mal wieder alles und jeden angezweifelt habe: „Karin, liest Du eigentlich mal, was DU schreibst?“ Ähm, das sollte ich öfter mal tun, es wäre vielleicht intelligent!

Es scheint, als hättest du dennoch deinen eigenen roten Faden gefunden. Verrätst du uns wie und wie alles angefangen hat?

Ich war keine gute Schülerin, konnte aber immer schon gut spielen. Darauf einen Lebensplan aufzubauen, lag jetzt nicht so auf der Hand. Obwohl ich aus biografischen Gründen eher nach Sicherheit im Leben gesucht habe, hat das Leben sich dann gedacht: Die Karin, die schicken wir mal nach England zum Kunststudium, weil sie ihre verheißungsvolle, sichere Zukunft dann total gut vorbereiten kann. Das Kunststudium war herrlich. Ich durfte tun und lassen, was ich wollte, und dann hab ich eben vier Jahre lang nur gespielt, geschweißt, gemalt, gedruckt. Pleite und planlos bin ich nach dem Studium in Berlin gelandet.

Wow, du warst dann also Künstlerin?

Ja, deshalb hab ich erst mal angefangen, als Verkäuferin in einem Küchenladen zu arbeiten, und Töpfe verkauft. Psychisch glich ich zu der Zeit eher einem verschreckten, total labilen Hasen, der null Peilung hatte, was das alles jetzt werden sollte. Aber ich habe gezeichnet. Die Zeichnungen habe ich dann im Küchenladen an der Kasse als Grußkarten verkauft. Super Businessplan, oder? Diese Zeichnungen waren schräg und kindlich, und es stand natürlich „Happy Birthday“ drauf und“Liebe Grüße“ und so.
Im Laufe der Zeit hab ich dann angefangen, mein verkorkstes Seelenleben auf Papier zu bringen. Weil ich die Karten aber auch verkaufen wollte, wegen akuten Geldmangels, hab ich meine angeborene Selbstironie in die Zeichnungen und Texte eingebaut. Und siehe da, ich habe nie mehr damit aufgehört. Ich mach das jetzt seit 20 Jahren fast täglich so:

„Hinsetzen, Stift nehmen, Blatt vollkritzeln, sich freuen.“

Und dann sind dir plötzlich Dr. Horse und the Börd über den Weg gelaufen?

Dr. Horse und the Börd haben sich in den letzten Jahren auf dem Papier in den Vordergrund gedrängelt. Sie haben sich selber eingeladen. Das kann ich nicht beeinflussen, ich kann nur spüren, wenn ein Text stimmt, wenn ein Bild gut ist. Nur, wenn es mich selber berührt, veröffentliche ich es. Das ist die einzige Zensur, die ich den Texten und Bildern auferlege.

Das heißt, du vertraust voll und ganz deiner Intuition?

Rückwirkend betrachtet waren die letzten 20 Jahre ein Test vom Leben: Vertraut sie ihrem Spieltrieb, als eine Kraft, die sie immer führen wird? Vertraut sie ihrem Instinkt?
Lernt sie, dass das Leben immer weiter geht, dass sie wirklich vertrauen kann?
Versteht sie, dass sie in guten Händen ist? Versteht sie, dass diese große Freiheit die Verantwortung mit sich bringt, sich auf sich selbst und auch die Menschen in ihrem Umfeld einzulassen, ihnen zu dienen, und das Gelernte wirklich liebevollst anzuwenden und weiterzugeben?

Klingt so, als hättest du diesen Test bestanden?

Ich vertraue immer mehr. Es wird immer größer, reifer, klarer. Mit allen Reinigungsarbeiten, aber auch mit all der Freude, die dazu gehört. In diesem Sinne: Feiert das, was ihr habt.
Ihr habt ein Leben.

Herzlichen Dank, liebe Karin!

 

Über sie: Karin Clauß ist 46 Jahre alt und lebt seit 20 Jahren in Berlin. Ganz früher hat sie am Starnberger See gewohnt. Dort wollte sie immer nur unter Wasser sein, weil es da so friedlich ist. Später hat sie versucht, Schreinerin zu werden, das ist kläglich gescheitert, weil sie keine Pläne lesen und überhaupt gar nicht dreidimensional denken kann. Sie hat dann irgendwann aus der Not eine Tugend gemacht und angefangen, ihr ganzes Fühlen und Denken und die Welt zweidimensional-zeichnerisch aufs Papier zu bringen. Wenn sie gerade mal nicht zeichnet, spielt sie Tennis und singt oder schwimmt, immer noch am liebsten unter Wasser. Mehr erfahrt ihr auf karindrawings.com

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