Kurztexte zu Düften

Zypresse … es darf sein

„JA, es gibt einen Teil in mir, der ist tief verletzt, traurig, verzweifelt, frustriert, traumatisiert. Ich kämpfe seit Jahren damit, diesen Teil endlich loszuwerden, zu verbannen. Ich will ihn nicht – doch er gehört zu mir, ist ein Teil von mir. Wir sind eins und so bin ich ganz. Ich darf mich jetzt darum kümmern, trösten, in den Arm nehmen, heil werden, ganz werden. Mir Zeit für diesen Anteil nehmen mit allem was es dafür braucht, mich nährt, mit gut tut. Es ist ein Geschenk für mich, dass ich mich auf diesen Weg begebe, diesen Teil in mir WILLKOMMEN heiße. Ich sehne mich danach heil und ganz zu werden – mit allem in mir, in Liebe miteinander verbunden. Was für ein Leben, was für eine Kraft, welch Freude, zu allem in mir sage ich JA. Es darf sein, was ist, in mir. Ja in mir ist Leben. Ich bin Leben.“ (anonym)

Ingwer … einfach mal hängen lassen!

Liebster, würdest du mir einen Cappuccino bringen?… Was?… Ach, ich verstehe dich grade nicht, ich lese…. Nein, ich muss heute nichts mehr machen. Aah. Ich kann einfach hier abhängen. Ein Kissen bräuchte ich noch, ich kriege sonst Druckstellen. … Dankeschön. … Aah, die Sonne kommt ums Haus herum. Schön warm scheint sie auf meine Beine. So ein bisschen schaukelt mich der Wind. Ach, die Vögel singen ihr Abendlied. … Nein, der Roman ist nicht wirklich spannend. Eigentlich lese ich auch gar nicht. Ich genieße, dass ich hier bin. Und das Buch macht schönen Schatten auf mein Gesicht. Ich brauche gar keinen Liebesroman. Es ist alles schon spannend genug. So ein lauwarmer Abend. Ach ich mach mal die Augen zu und lausche. Es riecht auch so gut. Die Kirschblüten duften bis hierher. Ich bewege mich hier nicht mehr weg. … Wann kommen denn die anderen vorbei? Ihr könnt dann schon mal singen, ich bleibe hier liegen und schaukle und singe von hier aus mit. Heute mache ich nichts mehr! © Bettina van Amerongen

Orange … eine runde Sache

Oh, wie schön Orangenduft, eine neue Patrone im Füller und oh Freude, eine neue Seite in einem wunderschönen Heft. Wie glatt geht die Feder über das Papier. Es scheint hochwertiges Papier zu sein, die Feder kratzt nicht, die Schwünge halten nicht an, es gibt ein angenehmes Geräusch auf dem Papier. Kein Ausfransen der Buchstaben, es passt. Man könnte sagen eine Runde Sache, obwohl das Heft ja rechteckig ist, hi hi. © Eva Hoffmann

Pfefferminz … einfach mal machen

Einfach machen, trauen, mit dem was du wahrnimmst, ins Leben zu gehen.
Spür dich, probiere dich aus. Such dir Menschen, die auch machen, die sich nicht von ihren Träumen durch Angst abhalten lassen. Leb dein Leben mit gelebten Träumen.
Trau dich, auch etwas noch nicht zu Ende gedachtes ins Leben zu bringen.
Verbinde dich mit deinen Ideen, mit deiner Lebendigkeit und teile sie.
Nimm Geschenke an und genieße, dass sie dir gegeben werden. Sei du, fühl dich, trau dich, mach. Die Fülle ist da, lass sie ins Leben sprudeln. © Eva Hoffmann

Rose … Leichtigkeit fühlen

Eintauchen in den warmen Duft,
das Gefühl der Geborgenheit.
Die weiche Blüte an meiner Haut,
ganz nah und zart.
Die Leichtigkeit zieht ein in meinen Kopf.
Wärme fließt durch meinen Körper.
Entspannung. © Anja Sasse

Rose … eine aufrechte Haltung

Guck mich an, ich habe eine aufrechte, stolze Haltung.
Schmückendes Blattwerk im satten Grün.
Es gibt auch Stacheln, die mir Respekt bringen und einen vorsichtigen bedachten Umgang erleben lassen.
In meiner Aufrichtung gibt es dann eine Blüte als Krönung, die sich Blatt für Blatt entfaltet und bestenfalls einen wunderbaren Duft ausatmet.
Diese Kombination lässt mich zu besonderen Anlässen, als Liebesbeweis erstrahlen. Nimm dir ein Beispiel. Es ist alles vorhanden. © Eva Hoffmann

Rose … und kein Gänseblümchen

Die Rose fühlt sich gut mit anderen Rosen, die in eigener Aufrichtung ihr Profil zeigen, damit erblühen und strahlen. Sie weiß darum, sie hat als einzelne ihre Bedeutung und mit vielen als Strauß, werden sie ein Hingucker.
Beide Orte fühlen sich zu unterschiedlichen Gelegenheiten richtig an. Die Rose fühlt sich da wohl, wo sie Beachtung bekommt und mit Liebe und Erstaunen betrachtet wird. Sie möchte nicht ein Gänseblümchen sein müssen, um dazu zu gehören.
Sie mag gerne zu vielen Anlässen in ihrer Schönheit beitragen, sie ist gerne mit allen anderen Blumen zusammen, wenn jede ihren, für sie entsprechenden Raum bekommt.
Sie mag nicht gerne beliebig zusammen gebunden werden.
Sie weiß, dass sie Blatt für Blatt verblüht, sie bleibt eine Rose. © Eva Hoffmann

Texte: Improvisationen aus den Workshops

Fotos: Marnel Tomić /Adobe Stock; Leon Rejschek, PolaRocket / photocase.de, Olga Gorodetski, Ute Adam