Duftnoten

Lass dich verführen!

Wenn du dich darauf einlässt und in einen Duft eintauchst, offenbart sich dir eine Welt, die ideal für dein Schreiben genutzt werden kann. Denn alles Geschriebene macht unser Wesen aus und erzählt etwas über uns. Mit der Inspiration eines Duftes kannst du dieses Wesen aufwecken und die Empfindungen dabei zu Papier bringen.

Ein Duft ist nur ein Duft – er kann aber auch der nötige Anstoß für dich sein, eine andere Welt zu betreten. © Evin Ay

Wortschätze aus den Workshops

Die Texte auf dieser Seite sind spontan und intuitiv geschriebene Improvisationen aus den schreibselig-Workshops, inspiriert durch kreative Schreibimpulse und ätherischen Öle. Ich danke den Autor*innen für die Erlaubnis, sie veröffentlichen zu dürfen. Ein Nachdruck oder eine Nutzung ist nur mit ihrer Erlaubnis gestattet.

Kardamom … mit dem Mut, aufzusteigen

Der Duft des Kardamom führt mich durch meinen inneren Garten, vorbei an Feldern und Wiesen, hin zu einem Wasserfall. Schwimmen, Pause, Ruhe und Schlafen in der sanften Sonne, immer umhüllt von diesem besonderen Duft. Und dann – plötzlich – ich fühle mich ausgeruht. Steht es da, mein neues Fahrrad? Habe ich den Mut, aufzusteigen und einfach loszufahren? Egal wohin? Die Freude spüren, die es in mir auslöst? Ein bisschen schüchtern steige ich auf und dann kann ich es spüren. Den Wind, die Freiheit und die LEBENSFREUDE. Meine Freiheit befreit auch die anderen – Lust – Freude – Entspannung – machen sich breit. © Heike Wiechers

Kardamom _ Elettaria cardamomum
Kardamom _ Elettaria cardamomum

Lavendel … ganz in Ruhe

Ruhe. Das Wort steht für mein dringendes Bedürfnis nach mehr Zeit. Zeit oder Ruhe, Eindrücke und Gefühle sacken zu lassen, ihnen Raum zu geben, um angeschaut und geklärt zu werden. Viel zu wertvoll sind die Impulse von innen und von außen, um sie mit immer neuen Eindrücken gleich wieder zu überschreiben und nichts bleibt als: „Da war doch was!“ Das stresst die Seele, davon bin ich überzeugt. Damit das eben nicht passiert, dafür sind Inseln der Ruhe immens wichtig. ©Bettina Dempwolf

Lavendel _ Lavandula angustifolia

Orange … eine runde Sache

Oh, wie schön Orangenduft, eine neue Patrone im Füller und oh Freude, eine neue Seite in einem wunderschönen Heft. Wie glatt geht die Feder über das Papier. Es scheint hochwertiges Papier zu sein, die Feder kratzt nicht, die Schwünge halten nicht an, es gibt ein angenehmes Geräusch auf dem Papier. Kein Ausfransen der Buchstaben, es passt. Man könnte sagen eine Runde Sache, obwohl das Heft ja rechteckig ist, hi hi. © Eva Hoffmann

Pfefferminz … trau dich und mach!

Einfach machen, trauen, mit dem was du wahrnimmst, ins Leben zu gehen.
Spür dich, probiere dich aus. Such dir Menschen, die auch machen, die sich nicht von ihren Träumen durch Angst abhalten lassen. Leb dein Leben mit gelebten Träumen.
Trau dich, auch etwas noch nicht zu Ende gedachtes ins Leben zu bringen.
Verbinde dich mit deinen Ideen, mit deiner Lebendigkeit und teile sie.
Nimm Geschenke an und genieße, dass sie dir gegeben werden. Sei du, fühl dich, trau dich, mach. Die Fülle ist da, lass sie ins Leben sprudeln. © Eva Hoffmann

Rosen … ganz nah und zart

Rose _ Rosa damascena

Eintauchen in den warmen Duft,
das Gefühl der Geborgenheit.
Die weiche Blüte an meiner Haut,
ganz nah und zart.
Die Leichtigkeit zieht ein in meinen Kopf.
Wärme fließt durch meinen Körper.
Entspannung. © Anja Sasse

Rosen … königlich aufgerichtet

Guck mich an, ich habe eine aufrechte, stolze Haltung.
Schmückendes Blattwerk im satten Grün.
Es gibt auch Stacheln, die mir Respekt bringen und einen vorsichtigen bedachten Umgang erleben lassen.
In meiner Aufrichtung gibt es dann eine Blüte als Krönung, die sich Blatt für Blatt entfaltet und bestenfalls einen wunderbaren Duft ausatmet.
Diese Kombination lässt mich zu besonderen Anlässen, als Liebesbeweis erstrahlen. Nimm dir ein Beispiel. Es ist alles vorhanden. © Eva Hoffmann

Rosen … mit Liebe betrachtet

Die Rose fühlt sich gut mit anderen Rosen, die in eigener Aufrichtung ihr Profil zeigen, damit erblühen und strahlen. Sie weiß darum, sie hat als einzelne ihre Bedeutung und mit vielen als Strauß, werden sie ein Hingucker.
Beide Orte fühlen sich zu unterschiedlichen Gelegenheiten richtig an. Die Rose fühlt sich da wohl, wo sie Beachtung bekommt und mit Liebe und Erstaunen betrachtet wird. Sie möchte nicht ein Gänseblümchen sein müssen, um dazu zu gehören.
Sie mag gerne zu vielen Anlässen in ihrer Schönheit beitragen, sie ist gerne mit allen anderen Blumen zusammen, wenn jede ihren, für sie entsprechenden Raum bekommt.
Sie mag nicht gerne beliebig zusammen gebunden werden.
Sie weiß, dass sie Blatt für Blatt verblüht, sie bleibt eine Rose. © Eva Hoffmann

Zypresse … ich bin Leben!

JA, es gibt einen Teil in mir, der ist tief verletzt, traurig, verzweifelt, frustriert, traumatisiert. Ich kämpfe seit Jahren damit, diesen Teil endlich loszuwerden, zu verbannen. Ich will ihn nicht – doch er gehört zu mir, ist ein Teil von mir. Wir sind eins und so bin ich ganz. Ich darf mich jetzt darum kümmern, trösten, in den Arm nehmen, heil werden, ganz werden. Mir Zeit für diesen Anteil nehmen mit allem was es dafür braucht, mich nährt, mit gut tut. Es ist ein Geschenk für mich, dass ich mich auf diesen Weg begebe, diesen Teil in mir WILLKOMMEN heiße. Ich sehne mich danach heil und ganz zu werden – mit allem in mir, in Liebe miteinander verbunden. Was für ein Leben, was für eine Kraft, welch Freude, zu allem in mir sage ich JA. Es darf sein, was ist, in mir. Ja in mir ist Leben. Ich bin Leben.

 

Fotos: Madeleine Steinbach / Adobe Stock