Improvisationen

Schreiben ist leicht

Schreiben ist leicht. Wenn wir es für uns tun. Wenn wir nicht Regeln folgen, sondern unserer Intuition. Dann ist Schreiben mehr als geordnete Sätze auf Papier. Es begleitet, es tröstet, es befreit. Es macht, dass wir verstehen, warum wir das tun, was wir tun. So wie wir es tun. Es zeigt uns, was uns bewegt. Vor allem aber, wer wir sind. © Dagmar Höner

Die Improvisationen auf dieser Seite wurden in den Workshops geschrieben: spontan, intuitiv und inspiriert von duftigen Flaschengeisern. Ich danke den Verfasser*innen für ihr Vertrauen, die Rechte aller Texte bleiben bei ihnen.  

Langsam mit mir in diesem Moment

Ja, es sind nicht immer die riesigen Schritte, die zum Erfolg führen. Dranbleiben ist eher die Herausforderung. Immer wieder neu. Täglich einen Schritt gehen, in meiner Mission unterwegs. Langsam und achtsam ist im Grunde ein Weg, der am Ende schneller ist. Ich vermeide viele Umwege. Zentral ist, dass ich jeden Tag mein Herz befrage, was heute wesentlich ist. Manchmal wird es mir unliebsame Schritte aufzeigen. Doch das gehört dazu. Es wird Tage geben, da zeigt sich kein klarer Schritt, doch dann passiert einiges, es benötigt Zeit, bis es klar wird. Ich übe Geduld mit mir in diesen Momenten. Und gehe mutig voran, wenn es klar ist. Langsam gehe ich, das ist genau richtig, so verliere ich nicht die Puste. Ich komme an. Da besteht kein Zweifel, denn die Richtung ist mir deutlich erkennbar.

Die einzelnen Schritte werden deutlich, wenn ich gehe. Mutig und aufrecht. Wenn ich langsam gehe, bekomme ich viel mehr mit: Von dem Leben in mir, um mich herum. Es ist wesentlich freudiger und zugleich entspannter und gemütlicher. Ich wünschte mir, dass sich mehr langsam bewegt, es könnte uns vieles Leid ersparen. Ich höre viel besser, was passiert, was nötig ist, ich kann meiner Intuition besser folgen. Es hat nur Vorteile. Der einzige Nachteil, den ich empfinde ist allerdings, dass es mir grundsätzlich zu schnell und zu laut um mich herum ist. Ich aber kann nicht schneller. © Eva Spilker

Meine Freiheit befreit auch andere

Der Duft des Kardamom führt mich durch meinen inneren Garten, vorbei an Feldern und Wiesen, hin zu einem Wasserfall. Schwimmen, Pause, Ruhe und Schlafen in der sanften Sonne, immer umhüllt von diesem besonderen Duft. Und dann – plötzlich – ich fühle mich ausgeruht. Steht es da, mein neues Fahrrad? Habe ich den Mut, aufzusteigen und einfach loszufahren? Egal wohin? Die Freude spüren, die es in mir auslöst? Ein bisschen schüchtern steige ich auf und dann kann ich es spüren. Den Wind, die Freiheit und die LEBENSFREUDE. Meine Freiheit befreit auch die anderen – Lust – Freude – Entspannung – machen sich breit. © Heike Wiechers

Schön, dass ich da bin

Schwarz oder weiß? Gut oder böse? Richtig oder falsch? Viele Wahrheiten – und vor allem, meine ist DIE RICHTIGE! Oder etwa nicht?
Was ist mit dem Raum dazwischen, dort, wo wir uns begegnen und etwas Neues entsteht? In Gemeinschaft, wo wir einander zuhören, uns ehrlich, authentisch, ganz mit unserer Wahrheit verbunden, zeigen können, sein können, aufwachen und unsere Lebendigkeit erblühen lassen.
Wo die Angst sein darf, ohne, dass wir uns vor Scham davor verstecken müssen. Wo einfach alles WILLKOMMEN ist. Wo wir fühlen: Schön, dass ICH da bin. © Eva Spilker

Der Wind schiebt sich unter die Flügel

Frühlingszauber, zauberhafter Frühling: Wärme. Sprießen. Wohlbefinden. Sonnenstrahl auf meinem Gesicht.
Noch frischgrüne Kornfelder wiegen sich leicht im Wind.
Maikäfer flieg, er summt – der Wind schiebt sich unter seine Flügel und er hebt behäbig ab und hebt sich in die Lüfte.
Da ist er, der wunderbar blaue Himmel, weiße Wolken. Große und kleine schieben sich am Firmament dahin.
Hohlweg, wo er wohl hinführt? Wie ist er entstanden vor Hunderten von Jahren? Umsäumt von Birken mit zarten Blättern und Ackerrand. © Sabine Hoppe

Ach, wie schön ist die Schönheit

Schönheit erkennen, sie wahrnehmen, benennen und anderen versuchen, zur Verfügung zu stellen.
Schönheit sehen, spüren, leben lassen. Ach, wie schön ist die Schönheit. Manchmal kann ich es kaum fassen. Die Kunst, Gefühltes in der Kunst zu zelebrieren.
Die Gabe, Wahrgenommenes zu zeigen, ohne zu belehren. Eine Art des Seins, die ich versuche zu ehren.
Ausdruck ist voller Kraft, kraftvoll. Melancholische Momente, gefühlsechte Gefühle und starke Stimmung. Aufgebraustes, Sprudelndes aufs Blatt Papier bringen, dafür bin ich hier.
© Julia Spriewald

Alles ist gut

Einfach nur schreiben. Keine große Themen lösen. Alles ist gut. Völlig ungewohnt. Wunderbar. Sich an das Wohlfühlen gewöhnen. Langsam, in meinem Tempo. Auch hier wächst das Gras nicht schneller wenn man daran zieht. Es wächst von alleine, schließlich ist jetzt Frühling und nach dem langen Winterschlaf wächst und blüht es überall. Ich blühe auch auf.“ © Sabine Gierschner

So wohl wie lange nicht

Am Rande des Ortes stand ein prächtiges, altes Stadthaus. Vor ihm lag ein üppiger Rosengarten, der einen herrlichen Duft verströmte. Ein alter Mann stützte die Dornenbüsche während die Vögel ihre Lieder sangen. Auf dem kleinen Balkon der Villa stand eine Frau mittleren Alters, die jetzt ins Haus trat. Sie war gerade dabei gewesen, sich in ihrem opulent eingerichteten Badezimmer ein Schaumbad einzulassen. Sie legte langsam ihren leichten Mantel ab und stieg vorsichtig in das warme, duftende Wasser. Jegliche Anspannung fiel von ihr ab, als das Wasser ihren Körper umschloss. Sie machte die Augen zu und dachte einen Moment an gar nichts. Der intensive Rosenduft aus dem Garten gelangte durch die offene Balkontür langsam ins Bad. Er vermischte sich mit dem Geruch des warmen Schaumbades und die Frau spürte den Duft in ihrer Nase. Leicht, nicht aufdringlich, vollkommen entspannend. Mit ihren geschlossenen Augen lag sie da und fühlte sich glücklich und wohl. So wohl wie lange nicht. © Eileen Wesolowski

Ich bin ich

Ich bin eine von vielen. Ich sehe die anderen, wie schön, begabt und erfolgreich sie sind. Auch die arme Wurst da vorne, die so vor sich hinmickert. Tja, armes Ding. Ich fühle mich nicht wohl, so bedrängt. Ich will fliehen und mache die Augen zu. Und dann träume ich, wie jemand mich in diesem großen Strauß ansieht, seine Nase in meine Blätter schiebt und wie seine Augen strahlen. Dann macht es mir plötzlich nichts mehr aus, dass die anderen da sind. Ich umarme dankbar meine Nachbar-Rose, bin voller Freude und überrascht, dass auch sie mich liebevoll drückt. Dann wache ich auf. Es ist, als wenn ich das erste Mal die Augen öffne und sehe. Ich sehe mich und ich sehe die anderen. Ich bin eine von vielen. Ich bin ich. Schön und begabt sind die anderen. Und ich auch! © Regine Schlesiger

Bis es mich von innen wärmt

Liebe Orange, gerade steigt dein Duft in meine Nase und es ist, als bekäme der Tag in diesem Moment eine neue Farbe. Orange. Orange. Licht. Hell. Ich lasse dieses Licht in meinen Körper gleiten, bis es mich von innen wärmt. Orange. Ein oranger Tag ist wie ein Kindertag – Was machen wir heute? Guck mal, was ist das denn? So etwas habe ich mir schon immer gewünscht … Orange, o wie offen. Offen liegt ein Tag vor uns mit all seinen Möglichkeiten. Danke, liebe Orange.

Doch warum sehe ich eigentlich diese Farbe, wenn es doch dein Geruch ist, der mich gerade in den Bann zieht? Für einen Moment lehne ich mich zurück und rieche. Und ich merke: Dein Duft ist wie ein Flaschengeist: Langsam steigt er empor und wird größer und größer. Nur, dass es eben kein Geist ist, vor dem ich zusammenzucke, vor dem ich zurückschrecke, sondern ein Geist, den ich willkommen heiße und der mich einhüllt wie ein warmes Schaumbad. Dein Duft ist wie eine Verheißung.

Eine Verheißung von Freude, von Glück, von Atem. Orange. O wie Odem. Ein neuer Atem für einen neuen Tag. Vielleicht das, was ich gerade heute brauche? Den Atem fließen lassen wie die Buchstaben auf dem Papier, ohne zu wissen, was noch kommen mag. Welche Wörter mit mir durch diesen Tag wandern, ohne zu wissen, was morgen ist; doch in der Gewissheit, dass du auch morgen noch an mir haftest. Ein wenig schwächer vielleicht. Doch du wirst noch da sein und mir von dem heutigen Tag erzählen, der dann schon wieder hinter uns liegt: Weißt du noch, gestern, als du…?  Und es liegt an mir, deinen Duft in den Garten der Erinnerung zu pflanzen. O wie offen. Orange wie ein Kindertag. Eine Verheißung. Deine Verheißung. Danke, liebe Orange.
© Kirsten Schwert

Es liegt in meiner Hand

So wie Du bist, bist Du gut genug. Hör auf zu kämpfen. Wende Dich den Menschen zu, die Dich lieben, achten und ehren für das, was Du tust. Sie werden Dich lieben, für alles, was du tust. Also los, tu es. Es gibt keine Hindernisse mehr. Jetzt ist alles gut. Es liegt in Deiner Hand. Öffne Dich für das Licht und die Liebe, die Du ausstrahlst.
© Sabine Gierschner

Jetzt ist es leicht

Frei wie ein Vogel, mit Leichtigkeit der Sonne entgegen, unbekümmert,
den Augenblick genießen ohne Erwartungen, im Hier und Jetzt.
Im Vertrauen sein, dass alles gut ist und sein wird.
Das Vertrauen, dass ich geborgen bin, geliebt und beschützt werde.
Glück, Liebe Vertrauen, Zuversicht. Alles kommt auf mich zu. Ganz leicht, selbstverständlich, ohne Kampf, ohne Anstrengung, weil alles schon da ist – für mich. Ja, auch für mich darf es leicht sein. Das Schwere, die Dunkelheit, all das habe ich überwunden und geschafft. Jetzt ist es leicht, mein Leben, mein Glück, die Liebe. Alle meine positiven Wünsche erfüllen sich mit Leichtigkeit, mit Freude, mit Licht und mit Liebe. © Sabine Gierschner

Sich niederlassen, um gewahr zu werden

Es waren die ersten fünf Minuten, die darüber entscheiden, wie sie sich fühlte, in diesem Raum und mit diesen Menschen, denen sie hier zum ersten Mal begegnete. Sie blickte um sich, inspizierte den Raum, die Wände mit den Tapeten, die aus einer Zeit stammten, in denen Farbe und Harmonie keine große Bedeutung zu haben schienen. Die Fenster waren klein, die Scheiben dünn. Sie zitterten jedes Mal, wenn jemand den Raum betrat und schwungvoll die Türe zufallen ließ.
Es war ihr sofort aufgefallen, dass es nur diese eine Tür gab, durch die die Gäste hinein kommen konnten, quasi einer nach dem anderen, wie in einer Arztpraxis und sie hörte ein imaginäre Stimme, die rief: Der Nächste bitte!
Sie hatte diese Stimme vernommen, als sie an dieser Tür vorbei gegangen war. Sie war einem Ruf gefolgt und den langen Gang hinunter gegangen, der schier endlos schien.
Auffallend waren die verschlissenen Wände, ungefähr in Hüfthöhe. Der Putz war abgeschabt. In der Kombination mit den verblassten Farben an der Wand, hässlichen ockergelben Töne, wirkt dieser Flur ebenso trostlos wie das ganze Gebäude.
Bereits beim Betreten des Foyers hatte sich die trübe Atmosphäre des Hauses auf ihre Stimmung gelegt. Wie etwas Fremdes, das sich niederlassen möchte, um gewahr zu werden. © anonym

Fotos: Pixel-Shot / leksann /Adobe Stock